Gegen_Gewalt_gegen_FrauenGewalt gegen Frauen: Ein hochbrisantes Thema. Die Rechte von Frauen sind in Deutschland gesetzlich geregelt, aber die Zahl der gewaltsamen Übergriffe gegen Frauen steigt europaweit. Überall in Deutschland sind aus diesem Grund gestern am Gedenktag gegen Gewalt an Frauen Aktionen und Veranstaltungen organisiert worden. Auch in Stralsund, wo ihm Rahmen der Anti-Gewalt-Woche schon die ganze Woche lang Filme gezeigt und Kerzen entzündet wurden. All das und auch die Fachtagung, die vor diesem Hintergrund, im Rathaus stattfand, wurde organisiert vom Frauenpoltischen runden Tisch in Stralsund, dem ich auch angehöre.

Leider konnte ich wegen der Haushaltswoche in Berlin an den Veranstaltungen selbst nicht teilnehmen. Zu der Tagung waren Fachleute auf das Podium gebeten worden. Thema war "Zwangsprostitution und Frauenhandel in Mecklenburg-Vorpommern". Das Grußwort hielt die parlamentarische Staatssekretärin für Frauen und Gleichstellung unseres Landes, Margret Seemann, die auch an der anschließenden Diskussionsrunde teilnahm. Nicole Musolf von der ZORA in Schwerin berichtete von ihrer Arbeit mit den Opfern von Zwangsprostitution im gesamten Bundesland. Beate Leopold klärte über Begrifflichkeiten wie "freiwillig" und "unfreiwillig" auf. Sie ist seit 20 Jahren mit diesem Thema beschäftigt und arbeitet in Berlin und Nürnberg bei der Organisation "Opera", eine Selbsthilfe von Prostituierten. Auch die Polizei war auf dem Podium vertreten, Diana Schmarow ist Ressortchefin dieses Bereiches bei der Kripo in Stralsund.

In mehreren Referaten stellte sich die allgemeine Problematik dar. Erst in der anschließenden Diskussion wurde es konkret. Wie ist der Stand in M-V. In Stralsund? Gerade in der letzten Bürgerschaftssitzung war eine Anfrage nach Steuereinnahmen durch Prostitution von der Stadt mit "negativ" beantwortet worden. Demnach gibt es in der Stadt gar keine Prostitution. Diana Schmarow aber weiß, dass das anders ist. Beim Finanzamt melden sich Frauen mit dieser Tätigkeit als Massage- oder Escort-Service an. Und es gibt auch Fälle von Prostitution, die unangemeldet ausgeführt werden. Wenn es sich dabei um Asylbewerberinnen handelt, werden diese ausgewiesen. Oft sind es aber gerade diese Frauen, die schwer traumatisiert sind und in Opferschutzprogrammen gegen organisierte Kriminalität als Zeugen zur Verfügung stehen müssten.

Von solchen Fällen berichtete auch Margret Seemann aus der Praxis in der Staatskanzlei. Immer mehr Frauen sind aus den osteuropäischen oder außereuropäischen Ländern zu erwarten. Die auf irgendwelche Versprechen hereinfallen und oft illegal im Land leben. Es gilt, die Institutionen, die damit befasst sind, neben Fragen um das Asylrecht für das Thema "Gewalt an Frauen" zu sensibilisieren. Die oft unsichtbar durch Angst und Bedrohung auf die Frauen einwirkt, die hier völlig isoliert und hilflos in einer Notlage sind.